29.9.2026
Pressemitteilung zum Kandidatencheck
Im Rahmen eines „Kandidatenchecks“ haben wir Initiatoren der Bürgerbegehren „auch digital statt nur digital” allen Kandidaten für das Ettenheimer Bürgermeisteramt den selben Fragenkatalog zum Themenbereich „Zahlungsvielfalt und Bürgernähe“ vorgelegt. Die Antworten aller Kandidaten wurden nun auf unserer Internetseite veröffentlicht. Wir weisen darauf hin, dass der Kandidatencheck nicht die allgemeine Eignung für das Bürgermeisteramt bewertet, sondern ausschließlich den Themenbereich analoge Teilhabe beleuchtet.
Der Kandidatencheck untersucht bewusst nur diesen einen Themenbereich: Wie wollen die Bewerber das vom Gemeinderat beschlossene Konzept „Zahlungsvielfalt und Bürgernähe“ praktisch umsetzen? Es geht insbesondere um die Gleichwertigkeit analoger und digitaler Zugangswege, Bargeld, und den kommunalen Gestaltungsspielraum.
Grundsätzlich bekennen sich alle drei Kandidaten zum Erhalt analoger Zugangswege. Unterschiede zeigen sich jedoch bei der konkreten Ausgestaltung.
Dominik Eble spricht sich für eine pragmatische und wirtschaftliche Lösung aus, mit der der Eintritt unmittelbar am Schwimmbad wieder bar bezahlt werden kann. Carina Kratt und Alexander Ruchti wollen Verbesserungen prüfen, legen sich aber nicht auf eine Wiedereinführung der direkten Barzahlung am Schwimmbad fest. Kratt verweist insbesondere auf zusätzliche Kosten und die finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt. Ruchti setzt auf eine gemeinsame Suche nach einer praktikablen Lösung mit den beteiligten Akteuren.
Auch bei der Frage, was „gleichwertig“ bei analogen und digitalen Wegen bedeutet, setzt Eble einen etwas anderen Akzent: Er wählte die Antwort, dass beide Wege grundsätzlich vergleichbar einfach, direkt und zugänglich sein sollen. Kratt und Ruchti halten Unterschiede für vertretbar, solange der analoge Zugang ohne erhebliche zusätzliche Hürden nutzbar bleibt.
Wir begrüßen, dass allen drei Kandidaten der Erhalt analoger Zugangswege ein Anliegen ist. Gleichzeitig haben wir den Eindruck, dass die Tragweite der kommenden Digitalisierung noch unterschätzt wird.
Die entscheidenden Konflikte werden künftig nicht darüber entstehen, ob zusätzlich ein Online-Formular angeboten wird. Sie entstehen dann, wenn der digitale Weg schrittweise zum Normalfall wird und persönliche, analoge oder bargeldbasierte Möglichkeiten immer weiter zurückgedrängt werden.
Vorgaben und Digitalisierungsprogramme übergeordneter Ebenen werden in den kommenden Jahren zunehmend auf die Kommunen durchschlagen. Deshalb ist entscheidend, wie eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister mit dem verbleibenden eigenen Gestaltungsspielraum der Stadt umgeht.
Wir wünschen uns einen Bürgermeister, der Digitalisierung nicht in vorauseilendem Gehorsam vorantreibt, sondern kritisch fragt: Was bringt sie den Bürgern? Welche Wahlmöglichkeiten gehen verloren? Welche zusätzlichen Daten werden erfasst? Und können Menschen weiterhin selbst entscheiden, ob sie einen digitalen oder einen analogen Weg nutzen?
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Digitalisierung abzulehnen. Digitale Angebote können die Verwaltung schneller, einfacher und komfortabler machen. Die Grenze ist aus unserer Sicht dort erreicht, wo aus einem zusätzlichen Angebot faktisch ein digitaler Zwang wird oder immer mehr alltägliche Vorgänge nur noch über Smartphone, Apps, digitale Identitäten oder elektronische Zahlungsmittel möglich sind.
Ein Bürgermeister sollte in solchen Fragen zuerst Anwalt seiner Bürger sein. Er sollte nicht jeden Digitalisierungsdruck einfach nach unten weitergeben, sondern dort, wo die Stadt selbst entscheiden kann, Wahlfreiheit, Privatsphäre und persönlichen Zugang schützen. Unser Grundsatz bleibt deshalb: auch digital statt nur digital.
Kratt und Ruchti haben ihre Auswahl zusätzlich mit persönlichen Kommentaren erläutert. Auf der Internetseite ettenheim.life/kandidatencheck können die Antworten aller Kandidaten vollständig nachgelesen werden; zusätzlich steht ein Selbsttest mit denselben sieben Fragen zur Verfügung.
Alle Fragen und Antworten des Kandidatencheck sind zu finden auf https://ettenheim.life/kandidatencheck/
